Viel kann man von der Bunten Republik Neustadt ja behaupten, aber es als einfaches Straßenfest zu bezeichnen, würde dem bunten Treiben nicht gerecht, das sich ein Wochenende lang im Juni fast über einen ganzen Stadtteil ersteckt. Die an jeder Ecke laut tönende Musik vermischt sich im Kopf zu einem Musikbrei, den an manchen Stellen doch zu viele Köche verderben. Die nicht mehr dividierbaren Laute mischen sich mit dem Anpreisen kulinarischer Köstlichkeiten aller Herren Länder und dem aufgedrehten Gekreische Betrunkener, bis ein plötzlich einsetzender Platzregen dem ganzen Schauspiel am Samstag Abend ein jähes Ende bereitet. Nur der Müll lässt sich vom Regen nicht beeindrucken und trotzt in beeindruckenden Haufen dem Straßenrand seinen Platz ab. Am Sonntag also auf ein Neues, diesmal mit durchgehend schönem Wetter, selbstgebackenen Kuchen in schönen Hinterhäusern und einem gemütlichen Ausklingen im Park. Bis nächstes Jahr, BRN!
Freitag, 22. Juni 2012
Mittwoch, 13. Juni 2012
Fiat lux
Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und manchmal wird man vor lauter Bäumen selbst nicht gesehen. So geschehen auf unserem Balkon, der jeden Nachmittag nur in einem eng begrenzten Zeitfenster vom Licht heimgesucht wurde und die Blicke der Nachbarn freundlich aber bestimmt abgewehrt hat. Am Samstag haben sich jedoch plötzlich die Lichtverhältnisse geändert und Helligkeit hat Besitz vom Balkon ergriffen. Den Blick aufs Nachbarhaus freigebend, sind die Tannen zu Boden gegangen. Ausgeknockt durch Kettensäge und menschlichen Willen. Jetzt harren sie dort der Dinge, die da kommen. Schade drum, aber so ein Frühstück bei strahlendem Sonnenschein hat ja auch was für sich.
Donnerstag, 7. Juni 2012
Patriotismus
Beim Wandeln durch die elbflorentinische Neustadt begegnet einem vieles, was den Blick stutzen lässt. Einiges lässt einen bisweilen schaudern, anderes vermag einem ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Der gestrige Fund lässt sich nur schwer in eine der beiden Kategorien einorden, nimmt er doch beides für sich in Anspruch. Die Hinterlassenschaften der vierbeinigen treuen Freunde des Menschen sind eine schauderhafte Angelegenheit, deren Ausmaß in der Neustadt nur mehr Kopfschütteln hervorruft. Und wohl nur selten dürfte das Bedürfnis aufkommen das hündische Vermächtnis zu fotografieren. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und vor allem im Hinblick auf die in Kürze startende Europameisterschaft konnte ich an diesem Statement der besonderen Art nicht vorbei flanieren. Was genau der geneigte Fähnchenstecker zur Aussage bringen wollte, bleibt der eigenen Interpretation überlassen, aber auch ohne hintergründige Gedanken einen Lacher wert:
Dienstag, 5. Juni 2012
Neulich beim Einkaufen
Erdbeerkäse! Der Brotaufstrich steht ja dank der Protagonistin aus der danach vielzitierten Fernsehsendung auf RTLII völlig außer Konkurrenz, was staunenswerte Produkte anbelangt, aber diese Perle der sächsischen Lebensmittelindustrie, die mir heute über den Weg gelaufen ist, will ich Euch nicht vorenthalten:
Montag, 4. Juni 2012
Alles entspringt aus dem Chaos
Dass alles aus dem Chaos entspringt, kann man bei verschiedenen Schöpfungsmythen nachlesen. Mein eigener Schöpfungsmythos will sich da nicht ausnehmen. Gebiert mein Chaos im Gegensatz dazu aber stetig neues Chaos. Ich habe sozusagen das chaotische Perpetuum mobile erfunden. Die Kisten wandern von einer Ecke in die nächste, leeren sich nur wenig merklich und der verbleibende Bodensatz scheint aus einer anderen Welt zu stammen, der sich nicht in mein (Schrank-)Universum einpassen will. Das Werkzeug glüht im Dauereinsatz, vermag die Stellfläche aber nicht effizient zu vergrößern.
Die Erkenntnis trifft jeden Wohnungswechselnden immer wieder aufs Neue: Man besitzt zuviel. Man besitzt zu viele Dinge, deren Sinn irgendwo zwischen zwei Wohnungen auf die Straße gefallen sein muss und den Sprung zurück in den Transporter nicht mehr geschafft hat. Die für mich sinnlosen Dinge müssen, in der Hoffnung, woanders ihren Sinn wiederzufinden und vielleicht ein bisschen Freude zu bringen, erneut umziehen. Ich schicke sie also zu abfallGUT, wo sie von einem Trupp motivierter Männer empfangen werden. Ich winke meinen Dingen ein letztes Mal zu, sie nicken bestätigend. Ich mache mich auf den Nachhauseweg, dem Chaos den Kampf ansagend, bis der Inhalt eines Schaufensters meinen Blick fesselt. Jetzt, wo doch wieder ein Stück auf dem Schlachtfeld gewonnen ist, könnte ich doch...
Die Erkenntnis trifft jeden Wohnungswechselnden immer wieder aufs Neue: Man besitzt zuviel. Man besitzt zu viele Dinge, deren Sinn irgendwo zwischen zwei Wohnungen auf die Straße gefallen sein muss und den Sprung zurück in den Transporter nicht mehr geschafft hat. Die für mich sinnlosen Dinge müssen, in der Hoffnung, woanders ihren Sinn wiederzufinden und vielleicht ein bisschen Freude zu bringen, erneut umziehen. Ich schicke sie also zu abfallGUT, wo sie von einem Trupp motivierter Männer empfangen werden. Ich winke meinen Dingen ein letztes Mal zu, sie nicken bestätigend. Ich mache mich auf den Nachhauseweg, dem Chaos den Kampf ansagend, bis der Inhalt eines Schaufensters meinen Blick fesselt. Jetzt, wo doch wieder ein Stück auf dem Schlachtfeld gewonnen ist, könnte ich doch...
Donnerstag, 31. Mai 2012
In Dresden zu Hause
Man kann auf Godot warten, auf bessere Zeiten, auf den Weihnachtsmann. Die Zeiten, in denen ich auf den Weihnachtsmann gewartet habe, entziehen sich schon fast meiner Erinnerung. Auf Godot warten andere und auf bessere Zeiten alle. Also warte ich im Bürgeramt darauf, aufgerufen zu werden. Es bleibt mir verwehrt, eine Nummer ziehen zu können, die mir gnadenlos meinen Status in der Reihe der Ungeduldigen verraten hätte. Der Automat ist defekt. Für die Damen und Herren hinter den Schaltern vielleicht ein willkommener Anlass, für ein paar Schritte die andere Seite des Zauns verlassen zu können, um die Bürger persönlich im Vorraum abzuholen. Die sächsische Einbürgerung geschieht fast geräuschlos. Keine Fanfaren, kein Klatschen, kein anerkennendes Schulterklopfen. Nur als mein Gegenüber unter den Tisch greift, um eine knallgelbe Tüte auf den Tresen zu befördern, huscht ein stolzes Strahlen über sein Gesicht. Die Willkommenstüte will mir meine neue Heimat näherbringen und immerhin wird die Lektüre einer der darin befindlichen Unterlagen meine Abfallbeseitigungskenntnisse vertiefen. Ich bedanke mich freundlich, mein Personalausweis weist mich nun als Dresdnerin aus und die Tüte freut sich für mich.
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| Neben den Hinweisen zur Mülltrennung beinhaltete die gelbe Tüte auch ein Gutscheinheft für kulturelle Handlungen. |
Dienstag, 29. Mai 2012
Grüne Aussichten
Bei durchschnittlich 100 km/h Reisegeschwindigkeit darf die Fahrt in die Residenzstadt wohl als gemütlich bezeichnet werden. Der langsamste Transporter gibt den Ton an, die Kolonne folgt genügsam. Die Wehmut hat sich mit der Müdigkeit verbrüdert. Zwischen den Kisten haben die beiden Platz genommen und lassen es sich nicht nehmen, mir ab und an mit spitzen Fingern in die Seite zu piksen. Dem Verlauf der Reise tut das aber keinen Abbruch und Elbflorenz empfängt uns am Abend bei noch strahlendem Sonnenschein mit offenen Armen.
Die zahlreichen Kisten finden dank zahlreicher Helfer schnell an ihren Platz, aber lassen verlauten, dass sie ihren Inhalt nur zögernd freigeben werden. Da ich selbst erst ankommen muss, kann ich verstehen, dass mich meine sieben Sachen nicht überholen wollen. Bleibt die grüne Aussicht und die Frage, ob da nicht mal Berge waren.
Die zahlreichen Kisten finden dank zahlreicher Helfer schnell an ihren Platz, aber lassen verlauten, dass sie ihren Inhalt nur zögernd freigeben werden. Da ich selbst erst ankommen muss, kann ich verstehen, dass mich meine sieben Sachen nicht überholen wollen. Bleibt die grüne Aussicht und die Frage, ob da nicht mal Berge waren.
Freitag, 25. Mai 2012
Blaues Finale...
oder die Frage nach den 20 Brezen.
Ein melancholischer Abschied, ein letztes Gespräch auf dem Parkplatz und eine schwer behängte Pflanze, die sich zu der Kaffeekanne in die Reihe der Wartenden auf einen Sitzplatz gesellt hat. So das Resümee des heutigen Tages, der vom Abschied geprägt war. Schneller, als letztlich doch erwartet, stand das Ende vor der Tür, hat vor dem leeren Schreibtisch zum Aufbruch gedrängt. Die Tasche voller Erinnerungen als Beifahrerin platziert, fühlt sich die Kaffeekanne etwas vernachlässigt. Aber man muss ja schließlich Prioritäten setzen.
PS: Liebe A., im Kühlschrank im Raum 031 werden 20 Brezen von traurig-süßer Butter vermisst. Bevor ich gegangen bin, hat sie mir allerdings verraten, dass sie als Entschädigung stattdessen gern in einem Kuchen ihr Ende finden will. ;-)
Ein melancholischer Abschied, ein letztes Gespräch auf dem Parkplatz und eine schwer behängte Pflanze, die sich zu der Kaffeekanne in die Reihe der Wartenden auf einen Sitzplatz gesellt hat. So das Resümee des heutigen Tages, der vom Abschied geprägt war. Schneller, als letztlich doch erwartet, stand das Ende vor der Tür, hat vor dem leeren Schreibtisch zum Aufbruch gedrängt. Die Tasche voller Erinnerungen als Beifahrerin platziert, fühlt sich die Kaffeekanne etwas vernachlässigt. Aber man muss ja schließlich Prioritäten setzen.
PS: Liebe A., im Kühlschrank im Raum 031 werden 20 Brezen von traurig-süßer Butter vermisst. Bevor ich gegangen bin, hat sie mir allerdings verraten, dass sie als Entschädigung stattdessen gern in einem Kuchen ihr Ende finden will. ;-)
Mittwoch, 23. Mai 2012
Kofferkisten
Würde ich mehr als einen Koffer besitzen, würde ich mit Fug und Recht behaupten können, auf gepackten Koffern zu sitzen. So sitze ich nun auf gepackten Kisten, die ihrer Abreise in die Residenzstadt genauso ungeduldig entgegen sehen, wie ich es tue. Der Verpackung trotzt einzig die Kaffeekanne, die sich beharrlich weigert ihre Reiseposition einzunehmen und angekündigt hat, erst einzusteigen, wenn alles andere seinen Platz gefunden hat. Ich unterstütze sie in ihrem Vorhaben, aber weise mütterlich darauf hin, dass sie nur mehr zwei Tage Zeit hat sich von der alten Wirkungsstätte zu verabschieden. Zwei Tage trennen uns und die Kisten noch von der langen Reise, in deren Verlauf die oberbayerische Kleinstadt immer weiter entschwinden wird, bis der Rückspiegel ihre Fährte verliert und der Blick nach vorn behände das Elbflorenz zu fassen sucht.
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